DARFS EIN BISSERL WENIGER SEIN? PLASTIKFREI(ER) IN DER KÜCHE LEBEN
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Vor kurzem habe ich einen Beitrag gesehen, in dem das Wort enkeltauglich, statt nachhaltig vorkam. Das hat mich fasziniert, weil enkeltauglich eben nicht nur eine lange unbestimmte Zukunft ist, sondern der Begriff macht für mich die Zeit greifbarer und schafft Klarheit bei Entscheidungen. Mit dem Hintergedanken, wie meine Enkel leben werden, stelle ich mir ganz andere Fragen, als wenn ich nur allgemein eine Perspektive anstreben würde.
Ich habe dafür sechs Bereiche aus dem Leben rund um die Küche herausgesucht und mir die Frage gestellt: Wie enkeltauglich lebe ich jetzt schon in den Bereichen?
Meine eigene Küche und die meiner Kunden sind voll mit Plastik. Öffne ich den Kühlschrank, sehe ich Plastikverpackungen und Plastikbehälter. Es ist ein Spiegelbild der Wohlstandsgesellschaft, in der wir leben. Es ist nicht gut oder schlecht, es ist wie es ist, doch wir brauchen Strategien für die Zukunft, wie wir mit diesem Überfluss umgehen. Das bedeutet nicht, dass wir die Plastikbehälter aus der Küche verbannen sollen. Allerdings dürfen wir unterscheiden, welches Plastik wir in unserem Haushalt nutzen und wie wir gesundheitsförderlich damit umgehen. Das beginnt bei der richtigen Anwendung.
So darf zum Beispiel manches Kinder- und Campinggeschirr nicht mehr als 70 °C erhitzt werden, da es krebserregende Stoffe freisetzt. Ein enkeltauglicher Umgang wäre, sich mit dem bereits vorhandenen Plastik auseinanderzusetzen und es nur nach Gebrauchsanleitung zu verwenden - zum Wohle unser aller Gesundheit.
Bei meiner Oma gab es den Spruch: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“ Die Küche ist der Ort, an dem Nahrung zubereitet wird und davor werden die Lebensmittel eingekauft. Damit entscheidet sich am Tisch, ob etwas gegessen wird und beim Einkauf, was gegessen wird.
Das stimmt nicht ganz, denn wenn wir ehrlich sind, bestimmt die Natur und die Region, in der wir leben, was auf den Tisch kommt. Wir haben es nur verlernt, weil die Supermärkte und Tiefkühlprodukte uns zu jeder Jahreszeit ein volles Sortiment an Lebensmitteln bieten. Auch der Aberglaube, dass es regional nicht so viel Abwechslung beim Essen gibt, stimmt nicht. Die saisonale Küche ist so vielfältig, wir haben uns nur lange nicht mehr damit beschäftigt und das Kochen verlernt. Ein enkeltauglicher Blick wäre, regional und saisonal zu essen und das geht zum Beispiel mit einem Abonnement einer Gemüsekiste aus der Nähe.
Die Gemüsekiste hat noch weitere Vorteile. Die handelsüblichen Gemüsekisten sind verpackungsarm und decken einen gezielten Bedarf ab. In der Gemüsekiste ist nicht mehr enthalten als ein Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhaushalt in einer oder zwei Wochen verbraucht. Dadurch werden weniger Lebensmittel weggeworfen und der Händler kann besser kalkulieren. Ein enkeltaugliches Verhalten in Hinblick auf Müll wäre demnach, sich einen Überblick über den ganzen Prozess zu verschaffen, mit dem Ziel, eine sinnvolle Kreislaufwirtschaft mitzugestalten. Nicht nur Unternehmen sind in der Verantwortung, sondern auch wir Konsumenten.
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Klingt immer super, das mit der Verantwortung, aber wir können eben doch nicht alles selbst verantworten und daher sind wir auf das produzierende Gewerbe angewiesen. Die gute Nachricht: Der Wandel ist da – neue Werkstoffe werden entwickelt. Wie zum Beispiel pflanzliche und mineralische Materialien (Bio-Plastik, melaminfrei, BPA frei) die dem biologischen Materialkreislauf entsprechen und sich wieder zu Humus umwandeln. Heute sehen sich Unternehmen mehr und mehr in der Verantwortung, dieses auch durch Gütesiegel und gute Öffentlichkeitsarbeit dem Kunden näherzubringen. Aber Vorsicht vor Scheinlösungen wie zum Beispiel bei PET, welches als immerwährendes Material sich nur zersetzt, aber nicht ganz verschwindet. Wird gebrauchtes PET allerdings recycelt und dient als Rohstoff für die Herstellung neuer Produkte, ist das eine Möglichkeit, wertvolle Ressourcen einzusparen und Müll aktiv zu vermeiden. Daher ist der enkeltaugliche Gedanke dazu da, bewusst zu kaufen und sich vorab zu informieren, inwieweit der Materialkreislauf im Einzelnen ist.
Vom Jäger zum Sammler über regionale Landwirtschaft bis hin zur heutigen Zeit: Essen ohne Grenzen. Globalisierung und Entwicklung macht es möglich. Foodtrends sind immer auch ein Zeichen der Zeit und zeigen auf, welche Probleme, Bedürfnisse und Wünsche wir haben. Unabhängig von Geschmack oder Produktinnovationen geht der Trend zum Schutz der Umwelt. Ein offener Austausch schafft Verständnis und Weglassen wird zur Tugend. Es ist viel wichtiger geworden, was wir nicht essen, als das, was wir essen. Ein enkeltaugliches Handeln bedeutet daher, jetzt die Notwendigkeit des nachhaltigen und plastikfreien Lebens anzuerkennen und unsere Esskultur dahingehend zu prägen.